Indien ist Herzstück globaler Textilproduktion – und zugleich Träger jahrtausendealter Handwerkstraditionen. Auf der Green Fashion Conference des Consortium of Green Fashion treffen genau diese beiden Welten aufeinander: nachhaltige Innovation, soziale Verantwortung und textile Kultur.
Am 5. & 6. Oktober 2018 findet zum sechsten Mal die Green Fashion Conference des Consortium of Green Fashion (CGF) in Indien statt. Das CGF wurde 2012 gegründet, um ökologisches und soziales Bewusstsein in der Mode- und Textilindustrie zu stärken und eine Plattform für Austausch, Bildung und Veränderung zu schaffen. Gerade für Indien – den zweitgrößten Textil- und Faserproduzenten der Welt – sind solche Initiativen essenziell, denn problematische Arbeitsbedingungen und Umweltbelastungen prägen bis heute große Teile der Branche.
Initiiert wurde das CGF von der School of Fashion Technology (SOFT) Pune, einer Ausbildungsstätte, die seit 1998 gezielt junge Frauen fördert und sie auf Führungsrollen in der Textilindustrie vorbereitet. Nachhaltigkeit, faire Geschäftspraktiken und Upcycling sind dort fester Bestandteil des Curriculums. Besonders die landesweiten Modenschauen mit ausschließlich nachhaltigen Materialien haben dem Thema Green Fashion in Indien in den letzten Jahren viel Sichtbarkeit verschafft.
Indien spielt zudem eine zentrale Rolle für handwerkliche Textilien: Über 80 % aller weltweit handgefertigten Stoffe stammen von hier, rund 100 Millionen Menschen leben von traditionellem Spinnen, Weben und Besticken. Ein zentrales Symbol dieser Kultur ist Khadi – handgesponnene und handgewebte Baumwolle, die im Unabhängigkeitskampf unter Mahatma Gandhi zum politischen Zeichen wurde. Gandhis Vision war eine lokale, selbstbestimmte Textilwirtschaft, in der Wertschöpfung in den Dörfern bleibt. Bis heute darf sogar die indische Nationalflagge ausschließlich aus Khadi gefertigt werden.
Mit der Öffnung der Märkte seit den 1990er Jahren veränderten westliche Konsummuster und globale Modeketten das Land stark. Dennoch sind traditionelle Textilien nie verschwunden – sie werden neu interpretiert. In den letzten Jahren erleben Khadi und Handloom ein deutliches Revival. Designer*innen greifen historische Techniken auf und übersetzen sie in zeitgemäße Designs, während staatliche Initiativen wie die India Handloom Brand den Erhalt von Know-how und Arbeitsplätzen fördern.
Genau hier setzt die Green Fashion Conference an: Sie stellt die Frage, wie traditionelle Textilkultur, zeitgemäßes Design und ökologische Verantwortung zusammenfinden können – und wie eine Modeindustrie aussehen kann, die lokal verwurzelt und global verantwortungsvoll handelt.
Fazit
Die Green Fashion Conference zeigt, dass nachhaltige Mode mehr ist als Materialwahl. Sie ist ein Zusammenspiel aus kulturellem Erbe, sozialer Verantwortung und Zukunftsvision. Slow Fashion beginnt dort, wo Wertschöpfung, Handwerk und Haltung wieder zusammen gedacht werden – ganz im Sinne eines Gedankens, der aktueller ist denn je:
„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“