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Vermutlich ist fast Jede*r schon einmal über das amerikanische Institut Pantone gestolpert – sei es auf einer Tasse, einer Smartphonehülle oder im Museumsshop. Doch Pantone ist weit mehr als ein ästhetisches Gimmick: Das Institut schafft Verbindlichkeit im Umgang mit Farbe und prägt seit Jahrzehnten, wie wir Farben benennen, kommunizieren und wahrnehmen.

Am Anfang von Pantones Erfolgsgeschichte stand ein ebenso naheliegendes wie komplexes Bedürfnis: Farben systematisieren zu wollen. Denn so emotional, kulturell und subjektiv Farbe auch ist – in Design, Industrie und Produktion braucht es klare Absprachen. Wie aber spricht man über etwas, das jede*r anders wahrnimmt?

1962 liefert Lawrence Herbert eine Antwort auf genau diese Frage. In einem Jahr, das politisch und gesellschaftlich von Umbrüchen geprägt ist, kauft er die Firma Pantone und entwickelt das Pantone Matching System – ein Farbsystem, das Farben normiert, codiert und weltweit vergleichbar macht. Die Idee ist ebenso simpel wie wirkungsvoll: Jede Farbe erhält einen eindeutigen Code und einen Namen. Subjektive Wahrnehmung tritt in den Hintergrund, Präzision rückt in den Vordergrund.

Der Pantone-Farbfächer, mit dem auch Lebenskleidung arbeitet, umfasst heute rund 2.100 Farben – von Bright White über Molten Lava bis hin zu Frosted Almond. All diese Töne basieren auf 18 Grundfarben, die sich in unterschiedlichen Mischverhältnissen zu sogenannten Sonderfarben verbinden lassen. Diese sind mit herkömmlichen Vierfarbdruckverfahren nicht reproduzierbar und bilden den Kern des Pantone-Systems. Ein pudriges Beige wie Mother of Pearl trägt dann beispielsweise den Code 12-1006 TPX – eindeutig, präzise, weltweit verständlich.

Doch Pantone klassifiziert nicht nur Farben, sondern beobachtet auch, wie sich Farbvorlieben verändern. Trendforscher*innen sind in Metropolen unterwegs, beobachten Alltagskultur, Design, Mode und Architektur. Denn bevor Formen entstehen, sind es Farben, die wirken. Rund 80 Prozent unserer Wahrnehmung laufen über visuelle Reize – Farbe spielt dabei eine zentrale Rolle.

Die berühmte „Farbe des Jahres“ wird bei Pantone bereits bis zu zwei Jahre im Voraus festgelegt. Für Unternehmen, die mit Farben arbeiten, ist das ein schmaler Grat zwischen Trendprognose und tatsächlicher Akzeptanz. Nicht jede Trendfarbe wird gleichermaßen geliebt – man denke etwa an Radiant Orchid, das kraftvolle Lila des Jahres 2014, das polarisierte.

Besonders bemerkenswert war die Entscheidung für das Jahr, in dem erstmals zwei Farben gemeinsam gekürt wurden: Rose Quartz und Serenity. Pantone beschrieb sie als Verbindung von Wärme und Ruhe – sanft, aber nicht schwach, zurückhaltend und dennoch kraftvoll. Auch gesellschaftliche Entwicklungen spielten dabei eine Rolle: Die zunehmende Auflösung geschlechtsspezifischer Farbzuordnungen spiegelte sich in dieser Wahl wider. Rosa und Blau wurden nicht mehr getrennt gedacht, sondern bewusst zusammengeführt.

Dass Farben immer auch kulturelle Bedeutungen tragen, zeigt sich bis heute. Neue Töne wie Minion Yellow – benannt nach den ikonischen Filmfiguren – finden ihren Weg in den Farbfächer und werden mit Eigenschaften wie Optimismus, Klarheit und Lebensfreude aufgeladen. Welche dieser Farben langfristig bleiben und welche wieder verschwinden, zeigt sich oft erst mit der Zeit.

Fazit

Pantone ist weit mehr als ein Farbsystem. Es ist ein Werkzeug zur Verständigung, ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen und ein stiller Taktgeber für Design, Mode und Ästhetik. Farben helfen uns, Trends zu lesen, Stimmungen zu verstehen und Entscheidungen bewusster zu treffen. Welche Farbe die nächste große Rolle spielen wird, bleibt offen – sicher ist nur: Farbe bleibt immer in Bewegung.