Hallo Hilde, magst Du Dich kurz vorstellen?

Mein Name ist Hilde Stiegler Rubecksen und ich bin die Gründerin des Womenswear-Labels Ordinær by Rubecksen. Ich habe einen Master in Womenswear vom Royal College of Art in London, wo ich mehrere Jahre gearbeitet habe, bevor ich vor einigen Jahren nach Norwegen zurückgekehrt bin.

Eine sehr naheliegende Frage zum Einstieg: Was bedeutet „Ordinær“ und warum dieser Name?

„Ordinær“ bedeutet auf Norwegisch so viel wie gewöhnlich oder alltäglich. Ich mag dieses Wort sehr, weil es das Banale und Normale umfasst – und gleichzeitig die potenzielle Schönheit darin sichtbar macht. Mich interessiert, ab welchem Punkt etwas vom Gewöhnlichen ins Außergewöhnliche kippt. Das „O“ steht für mich außerdem für einen Raum, der gefüllt werden kann. Der Name ist bewusst offen gewählt.

Wann hast Du Dein Label gegründet – und was hat Dich dazu bewegt?

Ich habe Ordinær 2016 gegründet. Ich liebe es zu entwerfen, schöne Dinge und Textilien zu schaffen, habe aber gleichzeitig eine starke Faszination für das Wiederverwenden von Materialien und vorhandene Ressourcen. Diese Spannung zwischen Gestaltung und Wiederverwertung war ein zentraler Impuls für mein eigenes Label.

Wie groß ist Dein Team aktuell – und wie wichtig sind Dir kleine Strukturen?

Im Moment arbeite ich allein und hole mir projektbezogen Unterstützung. Perspektivisch wünsche ich mir ein kleines Team. Kleine Strukturen liegen mir sehr, vielleicht auch, weil ich bislang überwiegend in kleineren Unternehmen gearbeitet habe.

Verkaufst Du Deine Kollektionen eher online oder im stationären Handel?

Beides. Der Direktverkauf online ist wichtig, aber genauso schätze ich den physischen Laden. Kleidung sehen, anfassen und anprobieren zu können, ist für viele Menschen entscheidend – idealerweise ergänzen sich beide Welten.

Wie nimmst Du die nachhaltige Modewelt in Norwegen wahr?

Das Interesse wächst, vor allem im Bereich Kindermode. Gleichzeitig sind viele Konsument*innen noch zögerlich, sich konsequent für nachhaltige Mode zu entscheiden. Bei Lebensmitteln beobachten wir diesen Wandel bereits deutlich – ich hoffe, dass sich ein ähnliches Bewusstsein auch in der Mode weiter durchsetzt.

Welche Herausforderungen begegnen Dir immer wieder?

Ein großes Thema sind Produktionsmengen. Viele Stoffe und Produktionsprozesse setzen Mindestmengen voraus, die für kleine Labels schwer umzusetzen sind. Ich muss daher sehr gezielt auswählen und Stoffe mehrfach einsetzen. Auch nachhaltige Lieferketten zu finden und Kund*innen für die Bedeutung von Nachhaltigkeit zu sensibilisieren, bleibt eine Herausforderung.

Wie bist Du auf Lebenskleidung aufmerksam geworden?

Durch meine Online-Recherche nach nachhaltigen Stoffanbietern.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Dich – beruflich und privat?

Nachhaltigkeit ist für mich vielschichtig. Sie zeigt sich in Materialwahl, in Arbeitsbedingungen, in Langlebigkeit und im respektvollen Umgang mit Ressourcen. Mich fasziniert besonders der Gedanke, vermeintlich Unbrauchbares in etwas Begehrenswertes zu verwandeln – als Teil einer echten Kreislaufwirtschaft.

Wie wichtig ist Netzwerken für Dich?

Ich besuche gelegentlich die Première Vision in Paris, nehme aber insgesamt eher selten an Messen teil. Das möchte ich in Zukunft gern ausbauen – vor allem, um mein Label sichtbarer zu machen.

Zum Schluss: Wie sähe Deine ideale Konsumlandschaft aus?

Zeitlos, qualitativ, bewusst. Weniger, dafür besser. Produkte, die lange halten, gut altern und eine emotionale Bindung erzeugen. Und Kund*innen, die diese Werte teilen und bereit sind, dafür Verantwortung zu übernehmen.