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Streifen sind mehr als ein Muster. Sie sind ein Gefühl. Von Meer, Sonne und salziger Luft, vom Duft nach Sonnencreme und Strandkörben, vom Geschmack von Rotwein und Käse. Streifen erinnern an Sommer, an Freiheit und an das Versprechen von Leichtigkeit – und sie tragen eine erstaunlich lange Geschichte in sich.

Wenn wir an Streifen denken, denken wir fast automatisch an das sogenannte Breton-Shirt. Im Deutschen ist dieser Begriff weniger geläufig, hier sprechen wir eher vom Ringelshirt oder Matrosenhemd – Bezeichnungen, die bereits auf den Ursprung dieses Klassikers verweisen. Im 19. Jahrhundert trugen Matrosen der französischen Marine gestreifte Oberteile mit exakt 21 Streifen. Diese sollten zum einen dabei helfen, über Bord gegangene Männer besser in den Wellen zu erkennen, zum anderen galten sie als Symbol für die 21 Siege Napoleons.

Seinen Weg aus der Arbeits- und Funktionskleidung in die Modewelt fand das Streifenshirt durch Coco Chanel. Sie griff das maritime Lebensgefühl auf und machte es 1917 erstmals auch für Frauen tragbar. Spätestens in den 1930er Jahren wurde das Streifenoberteil zum Sinnbild eines bestimmten Lebensstils: sportlich, entspannt und zugleich elitär. In Saint-Tropez traf sich die französische und amerikanische Gesellschaft, und Streifen standen plötzlich für Sommer, Freiheit und mondäne Lässigkeit.

Eine neue, rebellischere Bedeutung erhielt das Streifenshirt in den 1960er Jahren. In Paris wurde es zum Erkennungszeichen der Avantgarde rund um Künstler, Intellektuelle und Schriftsteller. Gleichzeitig etablierte es sich auch in den USA als kulturelles Statement. Andy Warhol inszenierte seine Muse Edie Sedgwick in Streifen, ebenso wie Musiker aus seinem Umfeld. Streifen wurden zu einem Ausdruck von Individualität, Nonkonformismus und künstlerischer Freiheit.

In den 1990er Jahren haftete dem Ringelshirt längst ein klarer Mythos an: französisch, lässig, leicht verrucht. Dieses Image spielte Jean Paul Gaultier bewusst aus, als er selbst im Breton-Shirt fotografiert wurde – ein Bild, das zu einem der ikonischsten Porträts des Designers werden sollte. Mit dem Parfumflakon von „Le Male“, mit Doc Martens, gebleichten Haaren und Grunge-Ästhetik wurde das Streifenshirt endgültig Teil der Popkultur.

Vielleicht liegt genau darin seine besondere Kraft: Streifen verschwinden nie. Sie verändern ihren Kontext, ihre Haltung und ihre Träger*innen – aber sie bleiben.

Heute werden Streifen so vielseitig getragen wie nie zuvor. Mal sportlich und entspannt, mal romantisch und verspielt, mal reduziert und modern. Sie funktionieren zu Jeans genauso wie zu eleganten Hosen oder High Heels. Streifen lassen Raum für Interpretation und Persönlichkeit – und genau das macht sie zeitlos.

Fazit

Streifen sind ein Klassiker, der nie stillsteht. Sie verbinden Geschichte und Gegenwart, Rebellion und Eleganz, Sommer und Alltag. Ob jung oder alt, urban oder ländlich, minimalistisch oder verspielt: Mit Streifen liegt man selten falsch – und garantiert nie langweilig.